Die Deutsche Schautaube – vom Anfang bis heute

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Die Deutsche Schautaube – vom Anfang bis heute 2017-11-29T08:59:16+00:00

Fachbericht von Ulrich Lahme

 

Fachbericht von Rainer Redel

Unsere Deutsche Schautaube ist vor über 100 Jahren aus Brieftauben verwandten Rassen entstanden. Ziel war es zur damaligen Zeit, ein Gegenstück zu den englischen Züchtungen Show Homer und Show Antwerp als deutsche Züchtung zu schaffen. Es war auch Ziel, eine harmonische, zuchtfreudige Taube zu erzüchten. Am Anfang war die Rassebezeichnung Deutsche Schönheitsbrieftaube, die sich auch von den englischen Züchtungen durch ihre Harmonie auszeichnen sollte. Die englischen Züchtungen waren durch Extreme gekennzeichnet, z. B. Show Homer durch eine extreme Gesichtslänge oder der Show Antwerp durch einen massiven kurzen Kopf mit extremer Schnabelsubstanz.

Im Laufe ihrer Entwicklung machte die heutige Deutsche Schautaube zeitweise auch extreme Entwicklungen durch. Doch die Geschichte der Deutschen Schautaube hat uns gelehrt, alle extremen züchterischen Auswüchse haben der Deutschen Schautaube nur geschadet. Seien es z. B. extreme breite Keile oder lange Vordergesichter mit langen Warzen, um hier nur einige Beispiele zu nennen.

Der Erfolg der Deutschen Schautaube bzw. ihre Beliebtheit ist durch eine Harmonie der Teile zueinander geprägt. Dadurch entsteht eine gewisse Gefälligkeit.

Im Laufe der Entwicklung wurden Musterbilder erstellt, die immer eine Weiterentwicklung unserer schönen Deutschen Schautaube zur Folge hatten. Man kann es deutlich erkennen, wenn man Fotografien vergangener Jahre mit Tieren der letzen Jahre vergleicht. Unsere Taube hat sich seit ihrer Entstehung ständig weiterentwickelt und das wird auch so bleiben. Sie wird dem Ideal immer näher kommen und vollkommener werden.

Fehlentwicklungen wird es geben! Neue züchterische Probleme werden auftreten! Hier ist der Zuchtausschuß gefragt. Dieser muss als Wächter über die Weiterentwicklung mit Argusaugen auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen, so dass anstehende Probleme gemeinsam mit allen Züchtern und Preisrichtern gemeistert werden können. Immer unter der Betrachtung tierschutzrelevanter Aspekte ist es unser gemeinsames Ziel, eine harmonische, gesunde und zuchtfreudige Taube zu schaffen und zu erhalten. Dies funktioniert nur gemeinsam, wenn Züchter und Preisrichter als Zuchtfreunde zusammenarbeiten und auf der Basis von Respekt und Achtung miteinander umgegangen wird. Denkt daran, es ist unser Hobby und es soll auch so bleiben! Fehler macht ein jeder von uns, man muss einfach miteinander reden!

Die Aufgabe des Preisrichters ist es, sein Anliegen auf der Bewertungskarte so zu formulieren, dass er den Züchter verständlich erreicht. Dazu sollte man Fachbegriffe verwenden.

In den letzten Jahren hat sich recht viel im Bewertungskriterium „Form“ getan. Die Tiere sind bei waagerechter Haltung im Körper und in der Feder kürzer geworden. Sie zeigen auch mehr Körpertiefe. Der Halsaufbau ist massiver geworden und die dünnen langen Hälse sind bedeutend weniger geworden. Es gibt bereits sehr kurze Tiere, bei denen der Schwanz so lang ist, wie die Schwingen, ohne dass hier manipuliert wurde, also kürzer, wie es unsere Musterbeschreibung fordert.

Der Trend geht dahin, kurze Tiere vorzuziehen. Hier wirft sich die Frage auf: Wie kurz denn noch? Wo Extremfälle hinführen, kann man bereits bei den Kingtauben sehen.

Wir sollten diese Tiere nicht strafen, aber sollten sie auch nicht ganz vorn positionieren. Da die Kriterien der Form den intermidären Erbgängen folgen, sind sie wertvolle Zuchtpartner und es ist stets eine Ausgleichspaarung möglich.

Auf gute Proportionen ist weiterhin sehr viel Wert zu legen. Missverhältnisse von Standhöhe zu Körpertiefe und Halslänge, welche den Gesamteindruck stören, sind zu strafen.

Die Anzahl der Tiere mit sehr guten Körperproportionen ist erfreulicherweise mehr geworden. Die optimale Standhöhe mit straffem Schenkelgefieder zeigen immer mehr Tiere. Auf feste, gerade Zehen und gerade Krallen muss konsequenter geachtet werden. Auch Ansätze von Schwimmhäuten müssen nach wie vor bekämpft werden.

Die Bewertungskriterien des Kopfes haben sich weiterhin verbessert. Die Köpfe mit gut gefüllten Scheitellinien und gut abgerundeten Hinterköpfen sind in der Mehrzahl. Die geforderten gleichmäßigen kräftigen Schnabelhälften zieren den Großteil der ausgestellten Deutschen Schautauben. Schwache Unterschnäbel sowie manipulierte Unterschnäbel sind kaum noch zu finden.

Die Entwicklung der Warzenlänge und Warzenstruktur nähert sich dem Ideal an. Kurze, geteilte sowie blasige Warzen haben keine Chance auf eine hohe Bewertungsnote. Zur Zeit haben wir es mit Warzendellen zu tun. Seit etwa 4 – 5 Jahren treten sie auf und keiner weiß so recht, wo sie herkommen. Leider vererben sie sich hartnäckig. Deshalb werden Tiere, bei denen deutlich Warzendellen zu erkennen sind in der Bewertung abgestuft, um diesem Übel schnellstmöglich ein Ende zu bereiten.

Die Form und Stuktur sowie die Umfiederung des Augenrandes hat sich in den letzen Jahren stark verbessert. Teilweise sind die Ränder so schmal geworden, dass sie nach oben hin nicht mehr sichtbar sind. Das hat auch mit der Lage des Auges im Schädel zu tun. Doch sollten sie auf keinen Fall völlig verschwinden.

Hier und da gibt die Randfarbe noch Anlaß zur Kritik. So z. B. bei den dom. Roten oder den Dunklen, wo sie teilweise heller sein könnten und die Ränder sind angelaufen, wie bei den Weißen und Schecken.

Das große etwas hervortretende ausdrucksvolle Auge mit roter Iris ist leider noch nicht bei allen Tieren anzutreffen. Diese Problematik wird uns noch eine Weile beschäftigen.

Die idealen Kopfprofile mit vollen Keilen und ausreichender Scheitelhöhe sowie die gewünschten Schnabelschnittlinien werden immer häufiger angetroffen. Kurze und überzogene Profile erhalten keine hohen Bewertungsnoten.

Wie bereits erwähnt, wird dem Rumpf in den nächsten Jahren eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Hier liegen zur Zeit noch die größten Defizite. Es fehlt noch oft an den optimalen Körperverhältnissen, um die gewünschte Harmonie zu erreichen.

Schmale kurze Schwänze sind leider noch nicht immer die Zierde unserer gezeigten Schautauben. Breite Schwänze mit lockerer Schwanzfederlage und im Extremfall mit hängender Ortfeder frifft man noch häufiger an.

Bei der Federstruktur sind noch einige Schwerpunkte zu beachten. Stockmauser, haarige Halsfedern sowie raue Flügeldecken sind konsequenter zu strafen. Auch die welligen Handschwingen sind nach neuesten Publikationen ein Thema. Doch wollen wir diese Erscheinung im Auge behalten. Lediglich werden wir bei der Preisvergabe bei zwei gleichwertigen Tieren bei gleicher Qualität dem Tier mit den glatten Handschwingen den Vorzug geben.

Was die Farbe und Zeichnung betrifft, hat sich in den letzen Jahren viel getan. Die Farbschlagpalette ist mit ca. 40 Farbenschlägen groß und die AOC-Klasse ermöglicht hier weiteren Spielraum.

Wir wollen keine Farbentaubenzüchter werden, werden uns jedoch den Erkenntnissen der Vererbungslehre unterordnen. Bei der Meldung für Ausstellungen sollten wir unsere Tiere schon im richtigen Farbenschlag  melden, entsprechend Standard. Dem Erhalt und die Förderung seltener Farbenschläge sollten wir mehr Aufmerksamkeit schenken und Zuchtfreunden, die sich mit seltenen Farbenschlägen beschäftigen entsprechende Anreize schaffen.

Unser Ziel für die Zukunft ist und soll der Erhalt einer harmonischen und zuchtfreudigen Taube bleiben. Sämtliche Extreme sollten wir vermeiden

 

Rainer Redel